Licht im Herzensfenster

An kaum einen anderen Tag im Jahr gibt es so eine Häufung von Traditionen wie an Weihnachten. Bei vielen Bräuchen weiß man mitunter nicht mal mehr, wo sie eigentlich ihren Ursprung haben.
“Stille Nacht, Heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht nur das traute hochheilige Paar, holder Knabe mit lockigem Haar…” Wenn wir dieses Lied singen baut sich schnell eine heile Welt um uns auf und man bekommt das Gefühl an Weihnachten geht es um ein möglichst gutes harmonisches Gefühl. Sinnbild dafür ist der Knabe im lockigem Haar. Wer ist dieser Knabe? Wer ist dieses Christkind, das uns Geschenke bringt?
Passt er in dieses engelfigurengleiche Bild?

Jesus – geboren mitten in einem Stall.
König der Welt, der sich in die Kälte und den Schmerz dieser Welt begibt.
Jesus – kein glattgebügelter Schwiegermutterliebling, sondern ein kantiger Typ.
Jesus – gekommen, die Welt auf den Kopf zu stellen.
Jesus – er liebt radikal, er handelt unerwartet, er überrascht seine Anhänger – und seine Gegner.

Wenn wir diesen Jesus an Weihnachten feiern, dann passt das irgendwie nicht zu diesem Knaben im lockigem Haar. Oft frage ich mich, was hab ich eigentlich schon von Weihnachten verstanden. Diese radikale Liebe von Jesus ist immer wieder unbegreiflich und herausfordernd. Sie stellt meine Weihnachtstraditionen in Frage. Ich ahne, dass es an Weihnachten nicht um möglichst viele Lichter im Fenster geht, sondern vielmehr darum, dass das Licht dieser radikalen Liebe noch mehr durch unsere Herzensfenster scheint.
Wie? Das lässt sich nur in der Begegnung mit diesem kantigen, radikal liebenden und überraschenden Jesus herausfinden. Möge sein Licht in dieser Weihnachtszeit durch unsere Herzen scheinen.

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